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Ich glaube an Gott und so weiter, Eine Auslegung des Glaubensbekenntnisses

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«Meine Tante war eine fromme Frau. Geboren noch im vorletzten Jahrhundert, hat sie einen Krieg, die spanische Grippe, die Wirtschaftskrise, Inflation und Währungsreform, noch einen Krieg, das Wirtschaftswunder und vieles mehr überlebt, bevor sie mir das Wort ‹Gott› schenkte. Meine Tante wohnte nebenan, ganz nah an meiner Kindheit» (11). Mit diesen Sätzen beginnt das neue Buch von Ina Praetorius, mit dem sie eine persönliche Auslegung des Apostolischen Glaubensbekenntnisses vorlegen will. In dieser Ouvertüre ist die Grundmelodie des Buches bereits angelegt: Persönliches und Theologisches durchwirken sich, eigene Lebens-erinnerungen der Autorin verweben sich mit den (Lebens-)Geschichten und den Glaubensschätzen, die ihr die VorfahrInnen und Älteren geschenkt haben. Hier wird also kein neues «Credo» zur Stärkung des christlichen Profils vorbuchstabiert und schon gar nicht eine neue Dogmatik vorgelegt. Und auch mit Theologie im herkömmlichen Sinn hat das von der Autorin verfertigte Gewebe wenig zu tun, aber vielleicht mit einer «Theologie der Zukunft», die «in den alten Texten keine ewiggültigen Richtigkeiten mehr sucht, sondern vergängliche Wahrheit, die uns durch die weite Welt begleitet», wie die Autorin im Vorwort schreibt.

Roter Faden des Buches sind die Bekenntnissätze des Apostolischen Glaubens- bekenntnisses. Diese werden von der Autorin Satz für Satz in den Kapiteln des Buches in neuer und höchst inspirierender Weise für unsere gegenwärtige Zeit zugänglich gemacht. Ina Praetorius lässt uns Leserinnen und Leser daran teilhaben, wie das Credo ihr und sie dem Credo immer wieder neu begegnet ist, wie sich für sie Verbindungen zwischen den alten Glaubenssätzen herstellen oder lösen und wieder neu verknüpfen.

Dabei wird auch mit Kritik nicht gespart. So etwa an den Herrschaftsgelüsten der Dogmatiker, die dem Kirchenvolk das Mitdenken ausgetrieben haben (29), oder an Pfarrherren, die Gott in Wissen einsperren und sich damit des «Geheimnis zwischen Allen und Allem», des Unverfügbar Anderen bemächtigen (12/15). Auch der Glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen und «Herrn» hat in dieser Theologie, die von Gott, der/dem Lebendigen erzählt, keinen Platz – auch wenn Gott in den gängigen deutschen Bibelübersetzungen über sechs- tausend Mal «Der Herr» genannt wird (47). Und an die Stelle des «Herrn« Jesus tritt das von einer Frau geborene Jesuskind und ein Gott, die/der vom Geborenen her zu erkennen ist (83ff.); der Bruder und Freund aus Nazaret, der für die Autorin Massstab bleibt und an dessen Art zu leben wir uns orientieren können (75f.).

Auch Witziges ist in diesem Buch zu finden: So zum Beispiel, wenn der Autorin beim Bekenntnissatz «Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters» zuallererst die beiden Bushs in den Sinn kommen (118), der Senior und der Junior, und sie ironisch-kritisch über männliche Erbfolge und männliche Seilschaften räsoniert. Was mich aber besonders fasziniert: Immer wieder werden von der Autorin Texte aus der biblischen Tradition mitten ins heutige Leben hineingestellt und erweisen sich als überraschend aktuell.

Ina Praetorius hat ein geistvolles, eigen-sinniges und im besten Sinn auch frommes Buch geschrieben, das mich berührt und beim Lesen hineingezogen hat in ein inneres Gespräch mit den neu erschlossenen alten Texten der Tradition; ein Buch, das anregt, dem eigenen Glauben nachzuspüren – und den einen oder anderen Gedanken zu ergänzen und weiterzudenken.

Doris Strahm

Kategorie Buch
Titel Ich glaube an Gott und so weiter, Eine Auslegung des Glaubensbekenntnisses
Bild Ich glaube an Gott und so weiter, Eine Auslegung des Glaubensbekenntnisses
Autor Ina Praetorius
Verlag Gütersloher Verlagshaus
Art Gebundene Ausgabe (192)
Preis 0.00