Neue Wege 2.24 Über die Grenze

Redaktion Neue Wege, 28. Februar 2024
Neue Wege 2.24

Je mehr man sich den Kantonsgrenzen des reformierten Kantons Bern nähert – sei es beispielsweise von Fribourg her oder im Entlebuch –, desto deutlicher wird die Abgrenzung und Raumeinnahme katholischerseits: Die alten Kirchen in den kleinen Dörfern gleichen veritablen Kathedralen, Inschriften proklamieren flächendeckend den «wahren Glauben». Absurde Relikte aus Zeiten, als Konfessionen in der Schweiz noch reale Grenzen durch das soziale und gesellschaftliche Leben zogen. Kantonale und sogar nationale Grenzen hingegen werden in der Schweiz nicht selten durch unauffällige, ziemlich zufällig gesetzte Steine im Wald oder auf offenem Feld markiert. Dennoch sind sie hier und anderswo nicht selten unüberwindbare Mauern, für manche ein todbringendes Meer. Nur das Kapital überspringt alle Grenzen in der Regel mühelos.

In diese Gegensätze und Ambivalenzen spricht das März-Heft der Neuen Wege. Es fächert entlang des Stichworts «über die Grenze» auf: Welche Kirchlichkeit ist in postkonfessionellen Zeiten nötig? Wie stehen Religionsgemeinschaften, die ohne staatliche Anerkennung über die Runden kommen müssen, zu einem immer fluideren Verständnis von Religion? Dazu kommen der christliche Theologe Patrice de Mestral, die Kunsthistorikerin und Social Media Redaktorin (RefLab) Johanna Di Blasi und der muslimische Seelsorger Abduselam Halilovic ins Gespräch. Die Pastorin und Theologiedozentin Klara Butting denkt über die biblische Paradieserzählung nach: Ist die Grenzüberschreitung dem Christentum durch die Geschichte der Vertreibung aus dem Paradies quasi in die Wiege gelegt? Und welche Grenze wird dort, als Eva vom Baum der Erkenntnis isst, eigentlich überschritten? Auch der Berliner Journalist Michael Jäger stellt sich grossen Fragen: Was steckt dahinter, wenn wir Menschen weiterhin versuchen, die Grenzen der eigenen Sterblichkeit und des eigenen Lebensraums auszudehnen? Und wie funktioniert eigentlich Solidarität, die sich nicht an nationale Grenzen hält, in Zeiten von nationalistischen Demagog*innen?, fragt Redaktionsmitglied Kurt Seifert. Mit der vielfach ausgezeichneten Autorin Regina Dürig, überschreitet diese Heftausgabe auch Grenzen von Lesegewohnheiten: Ihr literarisches Experiment führt Lesende auf eine Luxusinsel – das Paradies auf Erden oder doch ein kapitalistischer Albtraum?

Zugegeben, es ist ein weites Feld, was sich hier auf wenigen Heftseiten auftut. Aber schliesslich sind die Neuen Wege immer schon ein Heft für (religiöse) Grenzgänger*innen gewesen …

 

Inhalt

Die Mauern überwinden
Kurt Seifert

«Spirituality is super interesting»
Neue Wege-Gespräch mit Patrice de Mestral, Johanna Di Blasi und Abduselam Halilovic

An der Grenze des Paradieses
Klara Butting

Zwei Inseln und eine sehr gute Idee: ein Versuch in 14 Etappen
Regina Dürig

Auf dem Weg zum Omegapunkt
Michael Jäger

Anstoss!: Şahmarans queeres Erbe
Ozan Zakariya Keskinkılıç

Zur Weltenlage: Der lange Krieg gegen Gaza
Helga Baumgarten

Lesen: Gesprächsgrenzgänge
Ulrich Duchrow

Gefühlsduselei: Albtraum Ausschaffung
Geneva Moser

Nadelöhr: Beten für Gaza?
Matthias Hui


Erwägungen 1/2024
Mehr als Erinnerungen: Gedenkanlässe im Umfeld der TheBe

 

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