Viele Wege führen bekanntlich nach Rom – so auch die Neuen Wege in diesem Sommer. Charlotte Jacobs, Theologin, Freundin und Autorin der Neuen Wege, lud Matthias Hui und mich ein, gemeinsam als Panelist*innen auf die European Academy of Religion (EuARe) nach Rom zu fahren. Das übergeordnete Thema der Konferenz, die vom 30.06. – 03.07.2026 an der LUISS Universität in Rom stattfand, war «Religion und (Un)Gleichheit». In Panels, Keynotes und beim Aperitivo konnten sich internationale Wissenschaftler*innen aus unterschiedlichen Kontexten und Forschungsbereichen zu diesem Thema austauschen.
Besonders bewegend war es für uns, als Teil einer Gruppe Theolog*innen u.a. aus Deutschland, der Schweiz, den USA und UK gemeinsam in dieser Konferenz unterwegs zu sein und sie mitzugestalten. Dieses Netzwerk rund um Charlotte Jacobs und Joerg Rieger hat nun schon mehrere Jahre infolge an der EuARe teilgenommen und sich mit einem eigenen, ganztätigen Panel dort etabliert. In diesem Jahr ging es um materielle Realitäten von Ungleichheit um die Trias «race, class und gender».
Eindrücklich brachte die Panelistin Shenali Perera ihre eigenen Erfahrungen theologisch und politisch in ihre Beiträge ein und forderte uns mit der Frage heraus: Welche Körper zählen? Wer gilt als Theolog*in? So zog sich verkörpertes Erfahrungswissen marginalisierter Menschen wie ein roter Faden durch die Beiträge, seien es Zitronenverkäuferinnen in Buenos Aires (vgl. Marcella Althaus-Reid), Stone Butches in New York, Joseonjok in Südkorea oder Bauarbeiter*innen in der Schweiz, wie in unserer Präsentation. Diese orientierte sich an dem Artikel «Solidarität auf der Strasse» aus der Nummer 2/26 der Neuen Wege, in dem wir nach Möglichkeiten von Bündnissen von Bauarbeiter*innen und Klimaaktivist*innen fragen und den gemeinsamen Kampf um Arbeitszeitverkürzung als Ausdruck «tiefer Solidarität» (Rieger) verstehen. Diesen Fragen geht Rieger in seinem Buch «Theologie im Kapitalozän» nach, für das ich in einem weiteren Panel eine kritische Würdigung halten durfte.
So kamen wir während der gesamten Konferenz immer wieder zu der Frage nach einer solidarischen Alternative zu dem zerstörerischen Status Quo (sei es Klimakrise, aufsteigender Faschismus oder patriarchale Gewalt) und die Rolle von Religion darin zurück. Das Schöne ist, dass ich unsere Forschungsgruppe als einen Ort erlebt habe, an dem diese Solidarität gemeinsam gesucht und gelebt wird, gerade auch als Theolog*innen. Und so führten uns schliesslich Brigitte Kahl und Dörte Mohme mit einer imperiumskritischen Sicht in zusätzlichen Exkursionen durch die materiellen Realitäten des Römischen Imperiums und derer, die sich in der Nachfolge davon verstanden – und heute wieder verstehen, wie die Bauarbeiten zur «Renovierung» des Forum Romanum etc. zeigen. Hier kommen beide Fragen zusammen: Wer baute und wer baut die Tore, Tempel, Tower des Imperiums? Und wo stehen wir als religiöse Menschen? Wir jedenfalls sassen zum Abschluss gemeinsam auf den Trümmern «ewiger Reiche», «im Schatten des Imperiums», picknickten fröhlich und queerten imperiale Körperbilder mit Paulus, Glitzer und Genoss*innenschaft.