LeserInnen schreiben

Redaktion Neue Wege, 8. Januar 2019
Neue Wege 1,2/2019

Die Neuen Wege haben im Mai 2018 ein neues Layout erhalten. Der Neustart verlieh der Redaktionsarbeit auch inhaltlichen Schwung. Wir haben – auch mündlich – sehr viel positives Echo erhalten. Hier veröffentlichen wir eine Auswahl von durchaus auch kritischen Reaktionen von LeserInnen auf das Erscheinungsbild und einzelne Inhalte.

Ich gratuliere euch zu den neu gestalteten Neuen Wegen und zur Nummer 5.18! Ich hoffe, dass ihr dieses inhaltliche und grafische Niveau halten könnt. Mit der Religion halte ich es mit Walter Benjamins These "Kapitalismus als Religion".

Werner Kallenberger, Zürich

 

Ich bin schon seit sehr vielen Jahren Leser der Neuen Wege. Ich nehme nun die neue Form zum Anlass, euch für eure Arbeit zu danken. Dank im Sinne grosser Anerkennung. Ich lese die Neuen Wegeimmer mit besonderem Interesse. Was die "neue grafische Identität" betrifft, so bin ich unentschieden. Mit der alten war ich weder sehr unzufrieden noch gefiel sie mir besonders. Und die neue Identität? Ich werde mich daran gewöhnen und vielleicht einmal begeistert sein, wer weiss. Aber Identitäten sind grundsätzlich unscharf oder sollten es sein, weshalb eine uneingeschränkte Begeisterung eh unangebracht wäre. 
Gut, dass Marx wieder zu Ehren kommt. Das finde ich spannend, dass wir heute leichter, freier über Marx sprechen können, so scheint mir, als noch vor wenigen Jahren. "Marx" löst nicht den Abwehrreflex aus wie noch vor Kurzem. 

Allerdings, das Neue Wege-Gespräch mit Wolfgang Fritz Haug in der Nummer 5.18 hat mich ziemlich genervt. Vielleicht weil ich mich beim Lesen und beim Versuch zu verstehen schlicht immer wieder überfordert fühlte. Dass Haug sehr gescheit ist und unglaublich viel weiss, ist ja offensichtlich. Was aber löste das Gespräch in mir aus? Das Gefühl einer gewissen Unzulänglichkeit, psychologisch gesagt also eine gewisse narzisstische Kränkung, und dann geht es plötzlich nicht mehr um eine Sache, sondern um eine Befindlichkeit, welche die Sache verdrängt. Vielleicht habe ich mich jetzt ähnlich kryptisch ausgedrückt wie Haug, dem ich heute noch eine zweite Leseverständnischance gebe. Beziehungsweise mir selbst.

Fitzgerald Crain, Basel

 

Ganz herzliche Gratulation zum rundum gelungenen Relaunch. Das Heft gefällt mir in der neuen Version sehr gut; es ist optisch, aber auch inhaltlich irgendwie "griffiger". Schon lange nicht mehr vorgekommen: Ich habe die Neuen Wege von vorn bis hinten lückenlos gelesen.

Sebastian Speich

 

Gratuliere zum neuen Layout, das sehr schön und auch ziemlich klar daherkommt.
Super ist, aber das ist ja nicht neu, der Inhalt.

Adrian Knoepfli, Zürich

 

Das neue Heft ist sehr gelungen. Gratulation! Fast habe ich Angst, ob die Neuen Wege dieses Niveau (inhaltlich, sprachlich, gestalterisch…) halten können.

Thomas Schlepfer, Zürich

 

Ich habe am 1.Mai die Nummer 5.18 zugesteckt bekommen und bin erfreut in einer SP-nahen Zeitschrift soviel Wesentliches über Karl Marx und sogar Unwesentliches über Mao und Mango zu lesen zu bekommen!
Ich habe zwar eure Zeitschrift erst zur Hälfte gelesen – aber es zwingt mich jetzt schon, euch dafür zu loben und zu danken!

Beni Gnos, Allschwil

 

Manches an der Neugestaltung (sanft, wie ihr sagt) gefällt mir sehr. Vom Inhalt ganz zu schweigen, allermeistens lese ich die alten, und die neuen Neuen Wege sehr gerne. Ein wenig getrübt ist diese Freude durch den neuen Satz. Das alte Satzbild war für mich schlicht leichter, und daher besser lesbar. Steht das im Zusammenhang mit meinem Jahrgang? Gut möglich. So oder so, die Neuen Wege sind unverzichtbar, merci für Eure wichtige Arbeit.

Rolf Blickle-Ritter, Bern

 

Ich finde ja die neueren Inhalte wirklich spannend, aber die Gestaltung ist doch ziemlich gewöhnungsbedürftig.Ich hoffe auch, dass ihr nicht noch mehr Dialektgesäusel bringt.
Das Fest am 5. Mai war ja wirklich toll,und ich freue mich am neuen Schwung des Inhalts.

Werner Käser

 

Ich möchte mich bedanken für die sehr interessante neue Nummer. Ich freue mich immer auf die Neuen Wege. Aber – und das muss ich nun anbringen: Die neue Gestaltung finde ich schrecklich und sehr störend.Diese Smileys in Nummer 6.18 mit einem Heiligen Schein sehen eher aus wie ein Nachthafen, eine Tasse, ein… Und es macht alles so unruhig und stört beim Lesen. Dazu kommen noch die fürchterlichen schwarzen Balken.

Marianne Morgenthaler, Muri

 

Seit vielen Jahren erreicht mich Ihre wertvolle Zeitschrift in Cali, meistens zwar sehr spät und manchmal auch "kontrolliert" und "geöffnet" durch die kolumbianische Post. Aber sie kommt meistens an, und so habe ich eben die Ausgabe 6.18 "Die Bibel zurückgewinnen" gelesen, welche ich ausserordentlich gut finde.

Amadeo Eberle, Cali/Kolumbien

 

Auf Ihr Magazin bin ich durch die WOZ aufmerksam geworden. Wie Sie vermuten, bin ich als WOZ-Leser politisch auf der linken Seite zu verorten. Den Bezug zur Religion habe ich hingegen so nicht. Trotzdem spricht mich Ihr Magazin grundsätzlich an. Besonders das Anliegen, Brücken zu bauen, halte ich für sehr wichtig und unterstützenswert. Ansonsten war das Einstiegsthema "Marx" natürlich auch sehr gut gewählt:) Die Texte sind stellenweise interessant, jedoch ist für mich der Bezug zum Glauben und insbesondere zur Bibel dann letztlich doch zu prominent. Die Perspektive ist in fast allen Artikeln geprägt vom Glauben; auch wird inhaltlich oft der Bezug zur Religion gesucht. Das mag für jemanden wie mich stellenweise interessant sein, auf die Dauer überzeugt es mich aber zu wenig. Das ist deshalb etwas schade, weil das Magazin viel Potenzial bieten würde: Zum Beispiel Pazifismus könnte ein Thema sein, das auch den "Brückenbau" zu Linken ermöglicht, die nicht oder nicht auf gleiche Weise gläubig sind. Was mich an einem Text einer religiösen Sozialistin oder eines religiösen Sozialisten interessiert,ist doch, ob er in der Praxis, in der Gesellschaft eine Wirkung erzielen kann, ob eine überzeugende These dargelegt wird. Und nicht in erster Linie, ob sich Positionen aus der Bibel herleiten lassen. 

Gabriel Meier

 

Vielen Dank für die vielen sehr erhellenden Artikel. 
Peter Bichsel: "Könnte es sein, dass Religionen zu Behauptungen verkommen sind?...Die Macht erzählt nicht, sie behauptet." Wie wahr! Wenn wir Utopisten erzählen, wird uns, in absoluter Verkehrung, Ideologie vorgeworfen! 
Franz Hinkelammert: "Ein erniedrigtes Wesen ist der Mensch, sobald irgendetwas anderes zum höchsten Wesen erklärt wird." Wie wahr! Und nun: Was tun?
Heute übernimmt die Rechte die Sprache der Linken, wie historisch die Kirchen als Machtinstrumente die Sprache Christi übernommen haben und in einen neuen Kontext stellten. Beide berufen sich auf "die Massen",wissend, dass diese manipulierbar sind und es ewig bleiben werden.
Die Linke hat nach Franz Hinkelammert überhaupt keine Chance gegen den "Leviathan". Das hat Jesus wahrscheinlich schon ausdrücken wollen mit dem Satz in der Nacht vor seiner Kreuzigung: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt." (Joh. 18.36) Wenn wir nun den Leviathan bekämpfen wollen, taten und tun wir das bisher immer mit immanenter Motivation und immanenten Methoden. Wir agieren in unseren Kämpfen meist mit gleicher Motivation: nämlich die alten, "schlechten" Verhältnisse ändern und durch "unsere, bessere" Verhältnisse ersetzen zu wollen, sowie mit den gleichen Methoden, wie dies die Apologeten der Herrschaft zur Reproduktion und Perpetuierung der Verhältnisse zu allen Zeiten getan haben und bis heute tun. Welche Resultate dabei wohl herauskommen? Also. Und nun: Was tun? Ein klassisches Paradoxon.
Gut, dass es diese Zeitschrift gibt.

Bernd Mensing

 

Ich vermisse das Rot im Umschlag der Neuen Wege. Das neue Layout ist unruhig und sagt mir nichts. Weniger Text aussen, dafür das Inhaltsverzeichnis auf der Innenseite scheint mir besser. Ganz wichtig ist mir, euch mitzuteilen,dass die Schrift immer noch zu klein ist. Der Inhalt ist sehr gut. Ich habe die Beiträge von Monika Stocker geliebt,und den aktuellen Impuls von Gerhard Meister in der Nummer 7/8.18 finde ich witzig und treffend.

Ruth Loosli, Kehrsatz

 

Ich gratuliere euch herzlich zum Relaunch der Neuen Wege. Er kommt frisch und lebendig daher. Natürlich kenne ich die nostalgischen Gefühle nach dem roten Heft, aber so ist das Leben!

Monika Stocker, Zürich

 

Die Juni-Nummer zur Bibel ist absolut Spitze – herzliche Gratulation! Ich hoffe, das bringt noch mehr Neu-AbonnentInnen –ich werde jedenfalls damit in meinem linken Umfeld werben. Das ist nicht einfach, wie in den Essays ja auch erwähnt wird, denn es gibt so viele Berührungsängste und Vorurteile...
Auch die Nummer 7/8.18 zu Commons  sowie natürlich die neue Website begeistern mich. Mir scheint, nicht "nur" die Grafik und das Layout haben noch mehr an Stil, Aktualität und Prägnanz gewonnen, sondern das Ganze.

Gerda Tobler, Pfäffikon

 

Herzlichen Glückwunsch zu eurer neuen Website und insgesamt zum Relaunch – das ist bei uns im Bund der Religiösen Sozialistinnen und Sozialisten Deutschlands natürlich nicht unbemerkt geblieben! Ist prima geworden!

Thomas Kegel, Hannover

 

Die Umgestaltung der Neuen Wege hat mich endlich dazu veranlasst, die dringende neue Beurteilung meiner "Grundlagen" ernsthaft und gründlich an die Hand zu nehmen. 
Den recht positiven Aufsatz von Josef Lang in der Nummer 7/8.18 habe ich mit Interesse gelesen und finde ihn gut. Doch entspricht er nicht ganz dem, was ich mir vorgestellt hatte. In der "Neuen Schweiz" von Leonhard Ragaz wird nicht nur die Genossenschaft abgehandelt, auch andere brennende politische Fragen werden dargelegt. Sie gehen wohl nicht ganz fehl, wenn Sie hinter meiner Meinung ,,Ragaz- Exegese" suchen und gar „Nostalgie" vermuten. Persönlich glaube ich, dass dies nicht ganz zutrifft und es mir durchaus bewusst ist, dass es positive und negative Veränderungen gibt und geben muss und auch "neue Ideen" Raum greifen können und dürfen.
Den Artikel "Religion, Sozialismus, Kritik" in der Nummer 5.18 habe ich natürlich gelesen und ihn als denkbar schwach gefunden. „Kritik" ist ja und tönt gut, nur sollten diejenigen, die kritisieren, genauer angeben, von welchem "Boden" aus sie ihre Fragen stellen. Da gab es (Achtung: Nostalgie!) einmal eine ,,Prinzipienerklärung der religiös-sozialen Vereinigung der Schweiz". Heute hat man alles etwas verkürzt zu ,,Frieden, Solidaritätund Bewahrung der Schöpfung". ,,Das Reich" und ,,die Nachfolge" fehlen mir.
Drewermann (Nummer 6.18) ist sicher immer gut, ist er schliesslich ein berühmter Psychologe, und bei denen wird man stets recht bedient. Vielleicht! Auf alle Fälle haben die Herrschaften es noch nicht fertig gebracht, «die Menschen» friedfertiger und weniger egoistisch zu stimmen. Nebenbei gesagt: Ein Wirtschaftssystem, das es in dreihundert Jahren absoluter Herrschaft nicht fertig bringt, dass alle Menschen zu essen, eine gute Wohnung und eine sinnvolle Arbeit haben, ist schlicht unfähig, ja verbrecherisch.
Nun noch ganz kurz etwas zu den "vermissten Beiträgen" in den Neuen Wegen: Da wäre einmal ganz grundsätzlich die seit Jahrzehnten fehlende Rubrik "Zur Weltlage" und die "Chronik" (Ragaz) mit all den wichtigen, tatsächlichen Informationen, die auch in Hugo Kramers "Weltrundschau" anzutreffen waren. Dann dürfte man sich vielleicht auch einmal etwas ausführlicher Gedanken machen über die "Übervölkerung", den "Klimawandel", die Zerstörung der Natur und einige weitere, in meinen Augen recht zentrale Problemen unserer Zeit. Auch hätte mich seinerzeit eine umfassende Darstellung der vor einigen Jahren stattgehabten "griechischen Tragödie" sehr angesprochen und mir viel geholfen. Zur Frage des "Vollgeldes", wie zum ganzen Problemkreis unseres Geldsystems wäre zum Beispiel eine sachliche, klare und umfassende Darstellung (nicht bloss auf zwei, drei lumpigen Seiten) auch jetzt noch sehr zu begrüssen. Es hat nach meiner Ansicht recht viel "Kurzfutter" in den Heften, was aber nicht das Schlimmste ist. Es ist nach meinem Dafürhalten einfach so, dass nicht alle Probleme im "Blick-Stil" kurz und bündig abgehandelt werden können. Nicht alles kann in einer Spalte auf zehn bis zwanzig Zeilen gründlich und einleuchtend abgehandelt werden. Schade, dass heute "das Grobe" so grossen Zuspruch erhält. (Siehe die neue Heftgestaltung).
Schliesslich möchte ich doch nicht verhehlen, dass ich recht viel Ansprechendes und Hilfreiches in den Neuen Wegen der letzten Jahre gefunden habe.

Konrad Sturzenegger, Uster

 

Die Neuen Wege wirken jetzt im Layout etwas „jugendlicher“ – aber mit den grossen Zitaten bin ich nicht so glücklich. Für mich etwas zu plakativ für eine kleine und kleinformatige Zeitschrift, zumal ich nicht den Eindruck habe, dass sie von Jüngeren geschrieben wird. – Inhaltlich fand ich die Auseinandersetzung mit Marx und Religion interessant. Mich hat der oberflächliche Umgang mit der Religionsfrage bei Marx immer schon gestört. Die Leute mach(t)en sich es gerne bequem mit dem Opium und dem Volk …, mehr als ein Missverständnis. Euer Gespräch mit Drewermann im Heft 6.18 ist da schon sehr gut. Die Überwindung der Angst vor dem Tod, vor einem persönlichen Ende, geht nur, wenn es eine Verbindung zum allgemeinen Band des Lebendigseins aller Menschen ausserhalb eines individuellen Zeithorizonts gibt. Ich fürchte nur, dass dieses Band längst gekappt ist.

Michael Ackermann, Frankfurt/M.

 

Mit Interesse habe ich die neuste Ausgabe gelesen. Danach ist mir aufgefallen, dass die Zeitschrift den Untertitel "Religion. Sozialismus. Kritik“ aufweist. Seit ich die Zeitschrift lese, steht aber das Christentum klar im Vordergrund. Auch beim Lesen des spannenden Artikels "Der Widerstand der Mapuche" in Neue Wege7/8.18 zu Commons spüre ich, dass letztlich doch das Christentum als die überlegene Religion angesehen wird. Ich verstehe, dass wegen der Gründungsgeschichte durch Leonhard Ragaz und andere Religiöse Sozialisten die christliche Perspektive zentral gewesen ist. Heute erwarte ich aber, wenn ich das Wort Religion höre, von allen möglichen Religionen und religiösen Gruppen und Phänomenen gleichwertig zu hören. Es ist klar, dass dabei die befreienden und emanzipatorischen Aspekte besonders interessieren (siehe Begriffe Sozialismus und Kritik).

Ich fände es spannend, wenn anderen Religionen (in einem weiten Sinne) und das heisst insbesondere ihren VertreterInnen mehr Platz eingeräumt würde. So kämen Themen und Ansichten zum Zug, die für unsere Gesellschaft sehr relevant sind, aber kaum Platz in den Neuen Wegen finden. Es würde das Themenfeld wirklich stark öffnen. 

Joachim Ehrismann, Münchenbuchsee

 

Ich bin ein jahrzehntelanger Neue Wege-Leser. Commons (Nummer 7/8.18) sind für mich ein Dauerthema. Zusammen mit den Freunden von Al Imfeld bin ich daran, AgroCities im Subsahara-Afrika umzusetzen – Commons im Sinne einer erweiterten Allmend mit Stadt-Land-Charakter. Vielen Dank für eure Arbeit!

Jörg Bürgi

 

Ich schätze die Kolumne „Nadelöhr“ in den Neuen Wegen sehr. Sie ist meist der erste Text, den ich in einer neuen Ausgabe lese. Sie bringt die angesprochenen Themen immer klar auf den Punkt, analysiert Zusammenhänge und Hintergründe scharf und bezieht pointiert Stellung! 
Das neue Gewand der Neuen Wege gefällt mir übrigens sehr gut. Ich finde das neue Layout sehr ansprechend und gelungen. Ich hoffe sehr, dass ihr damit auch ein jüngeres Publikum ansprechen könnt und neue LeserInnen gewinnt.

Doris Strahm, Basel

 

Mein Glückwunsch zur Ausgabe 10.18 der Neuen Wege, ein guter Wurf! Das Heft ist sehr anregend, weil die Beiträge nicht nur einmal mehr die deplorable Lage in Palästina und Israel beschreiben, sondern neue und andere Sichtweisen ins Spiel bringen. Das Gespräch mit Udo Aloni hat mir besonders gefallen.

Albert Rieger, Hinterkappelen

 

Ich beziehe mich auf das Heft 10.18 zu Israel und Palästina und das schwierige Thema ganz allgemein - vielleicht zugespitzt in der Frage von Margarete Susman: "Kann in einer solchen Wirklichkeit (eines nationalistischen jüdischen Staates, der allerdings seit Gründung von allen umliegenden Staaten vernichtet werden wollte, Anmerkung) das messianische Erbe noch verwaltet werden?" Das jüdische Testament ist voll von Geschichten, wo Israel sein messianisches Erbe vergass und von den Propheten immer wieder zurückgerufen wurde. Es mag sein, dass nun wieder eine solche Zeit ist. Aber: Wie oft wurde in den vergangenen zweitausend Jahren von uns unser christliches Erbe nicht mehr oder höchst ungenügend verwaltet?! Warum – ich weiss, dass diese Frage zynisch wirken kann, aber so ist das nicht gemeint – wird Israel in der Weltordnung nicht zugestanden, Schandtaten zu begehen wie andere Staaten, bei denen das an der Tagesordnung ist, die gar nicht mehr weiter diskutiert wird, während Israel entweder die Rolle eines Musterknaben oder eines Sündenbocks zugewiesen wird. Der jüdische Journalist Henryk Broder spitzte das einmal in den Worten zu, dass die Juden erst dann Menschen unter anderen Menschen und ein Volk unter anderen Völkern seien, wenn ein jüdischer Dieb das Recht habe, einfach ein Dieb zu sein wie andere Diebe, ohne dass sein Vergehen gleich mit seinem Judentum verknüpft wird. Diese Metaebene geht mir im ganzen wichtigen und unverzichtbaren Diskurs immer wieder verloren. Was nicht heisst, dass Israels Politik verurteilt werden kann und auch muss.
Der Titel der Buchbesprechung von Ulrich Duchrow in Neue Wege9.18 zu Hans Joas (Die Macht des Heiligen), wonach die Entzauberung der Welt Geschichte sei, weckte in mir eine grosse Erwartung, wie hier mit Max Webers Theorem aufgeräumt werden wird. Ich fand die Lektüre dieser Buchbesprechung ziemlich befremdend. Nicht von ungefähr führte Max Weber mit dem Begriff der Entzauberung als Beschreibung für einen Paradigmenwechsel einen Begriff ein, der unüblich für die Wissenschaftssprache war und viel mehr der Poetik zu entstammen scheint. Ich erdreiste mich hier, Hans Joas zu widersprechen, ohne sein Buch gelesen zu haben, ich stütze mich nur auf die Besprechung von Ulrich Duchrow ab. Solange Theologie-, Pädagogik- und ähnliche Studien nur nach ECTS-Punkten bewertet werden, solange Effizienz und Expertentum die wichtigsten Werte sind, solange nur Gültigkeit hat, was messbar ist, und insbesondere solange wir keine Geheimnisse mehr kennen wollen, solange erachte ich Max Webers Theorie leider als immer noch überaus gültig. Gerade letzteres erachte ich als einen der wichtigsten Aspekte von Verzauberung – sie kannte noch das Geheimnis. Und das Geheimnis ist die Quelle von so etwas wie Ehrfurcht, die uns so ziemlich abhanden gekommen ist. Eine Wiederverzauberung lässt sich aber sicher nicht mit einer "Reflexivierung des Heiligen, einer Transzendenz, die reflexiv gewordene Sakralität“ bedeute, hervorrufen – was für abstrakte, blutleere, überkomplexe Worthülsen! Dem gegenüber verbirgt sich die Komplexität der Sprache der Propheten, der Psalmen, der Evangelien, der apostolischen und paulinischen Briefe gerade in ihrer vertrackten vermeintlichen Schlichtheit. Nein, Hölderlin hatte mit den Göttern, die sich verabschiedet haben,  schon vor Max Weber recht, und das Warten auf ihre Wiederkehr dauert wohl doch noch ein bisschen länger, als das Hans Joas und Ulrich Duchrow erhoffen. Die Wiederverzauberung lässt sich nicht konstruieren. So wie die Entzauberung auch nicht konstruiert wurde. Immerhin hat uns diese auch von vielen durch Herrschaft geschürten Ängsten und von Aberglauben befreit. Vielleicht leben wir ja in einer Zeit jenseits von Sakralem und Profanem – wie es frühe chinesische buddhistische Texte besagen: Alles ist heilig, nichts ist heilig. Und müssen erst noch den Umgang mit einem solchen weiten Freiraum erlernen.

Mir fehlt in den Neuen Wegen insgesamt irgendwie die bildliche, kraftvolle Sprache von Leonhard Ragaz. ("Von Christus zu Marx, von Marx zu Christus" gehört für immer zu meinem Kanon ...) Ich finde alle Beiträge hochdifferenziert – aber die Neuen Wege werden für mich damit fast wie zu einer Verdoppelung von anderen wichtige Publikationen wie dem Widerspruch.  

Sie und Ihr Team leisten grossartige Arbeit. Aber mir persönlich wird es auf die Dauer zu "intellektuell" – eine seltsame, widersprüchlich erscheinende Aussage von jemandem, der Intellektualität prinzipiell sehr schätzt, ich weiss. Die Neuen Wege sind mir zu lieb, um sie einfach mit Bedauern ungelesen oder fast ungelesen beiseite zu lassen. "Deine Rede sei Ja, ja oder nein, nein"...

Sandro Fischli, Bern

 

Seit längerer Zeit kann ich mit den Neuen Wegen nicht mehr viel anfangen. Schon die äussere Gestaltung ist nicht mein Ding. Inhaltlich habe ich mich ein Jahr lang beobachtet und muss sagen: Mich interessieren die wenigsten Artikel. Dazu kommt, dass ich vieles nicht mehr verstehe. In der Nummer 11.18 zu Alter und Tod gefielen mir einzig die Texte über Leni Altwegg und das Nadelöhr. Schade, denn über Jahrzehnte schätzte ich das Heft sehr.

Blanka Furrer, Visp

 

Das neue Layout der Neuen Wege hat mich erschreckt. Ich dachte, dass sei nur eine einmalige Probe. Nun halte ich ein weiteres Heft in der Hand und muss zur Annahme kommen, dass von nun an ein völlig neues Heft gelten soll. Warum müssen Spezialbüros mit neuen Formen beauftragt werden? Das bisherige Heft in rot (früher auch in weiss oder gelb) spiegelte eine klare Vision unter dem Stichwort des „Religiösen Sozialismus“. Dieser Terminus fehlt jetzt, und der neue Inhalt ist kaum überzeugend (Ausnahme: Esther Straub). Nicht allgemein verständliche Fremdwörter (wie z.B Spiritual Care) sollten mindestens sofort ins Deutsche wiedergegeben werden. Bitte zurück zu den Wurzeln! 

Martin Bundi, Chur

 

An der Jahresversammlung der Neuen Wege wurde gesagt, der Posten des Redaktors, der Redaktorin sei manchmal ein einsamer, ihr würdet euch über Reaktionen aus der Leserschaft freuen. Nun, so will ich gerne reagieren. Ich finde dass die Neuausrichtung der Neuen Wege gut gelungen ist. Ich habe die letzten Hefte mit viel mehr Interesse und Freude gelesen als die Hefte davor. Vorher habe ich die Neuen Wege manchmal eher noch aus Solidarität abonniert und zum Teil eher oberflächlich gelesen. Sie waren mir zu ideologisch oder zu theoretisch. Ich habe es dem Älterwerden zugeschrieben, dass mich die ideologischen Vergewisserungstafeln am Wegrand nicht mehr so interessieren. Sie haben mich eher daran zweifeln lassen, ob ich noch auf dem richtigen linken Weg bin respektive sein will. Die letzten Hefte dagegen habe ich mit viel Interesse gelesen. Ich finde darin Aspekte, die mich überraschen. Zum Beispiel im Heft 10.18 zu Israel/Palästina das Interview mit Udi Aloni oder der sehr spannende Beitrag von Amira Hass. Mir fällt auf, dass ich zunehmend AutorInnen begegne, die sich als AtheistInnen oder AgnostikerInnen bezeichnen., die sich aber mit sehr viel Wissen im Jahrhunderte alten jüdisch-christlich-muslimischen Dialoghorizont bewegen und sehr eigenständige, oft auch tief spirituelle Positionen beziehen. Sie grenzen sich mit ihrer Selbstbezeichnung als AtheistInnen oder AgnostikerInnen von Mächten in der Welt ab, die die Religionen in Geiselhaft nehmen und für ihre Zwecke instrumentalisieren. Das finde ich sehr spannend und kreativ. Vielleicht ist es eine Möglichkeit, diesen Dislog und seine Quellen kreativ weiterzuführen. 
Ich war skeptisch, als ich „Israel/Palästina“ gelesen habe. Werden mir da die bekannten ideologischen Versatzstücke begegnen? Nein. Vieles, hat mich überrascht und angeregt.  Im religiösen Gruselkabinett, das Mitri Raheb auflistet, haben mir die Gebete der amerikanischen TV-Prediger fast die Luft abgestellt. Formal ist das die Sprache der freikirchlichen Gemeinschaft innerhalb der Landeskirche, in der ich aufgewachsen bin. 
Zum Schluss: Wenn ich lese, dass man jetzt wieder öffentlich Marx zitieren darf, dann bin ich ein wenig stolz darauf, dass ich vor mehr als dreissig Jahren in der Evangelischen Unigemeinde Bern die Lektüre von Karl Marx und Rosa Luxemburg im Programm hatte. 

Andreas Schmutz

 

Mit unverhohlener Neugier blättere ich in Ihrer Zeitschrift Neue Wege. Im Artikel „Religion, Sozialismus, Kritik“ in 5.18 stosse ich dann allerdings auf einen, wie mir scheint, augenfälligen Widerspruch. Sie zitieren Ihren langjährigen Redaktor Willy Spieler: „Das Problem ist heute nicht, dass der repressive Staatssozialismus abgewirtschaftet hat, sondern dass der Kapitalismus noch immer wirtschaftet.“ Und auf der gleichen Seite lese ich: „Es gibt nicht nur eine einzige Richtung.“
Nun frage ich mich ernsthaft, wo ich denn hier den „neuen Weg“ aufstöbern soll. Kapitalismuskritik höre ich seit grauer Urzeit aus allen Ecken und Enden linker und religiöser Denker. Irgendwie schade, dass diese Kreise die offensichtlichen Vorteile des Kapitalismus nicht anerkennen wollen oder können. Die freie Marktwirtschaft, gekoppelt an eine freie, offene Gesellschaft, schuf unseren Wohlstand. Innovationen entspriessen marktwirtschaftlich liberalen Strukturen, nicht kollektivistisch geprägten. Die Talente aller unserer Mitbürger entfalten sich im Wettbewerb mit anderen und tragen so zu unserem Wohlbefinden bei. Mit unserer heutigen Regulierungswut setzen wir dies alles gedankenlos aufs Spiel.
Ebenfalls seit grauer Urzeit wird mit dem Sozialismus erfolglos experimentiert. Venezuela, einst ein wohlhabendes Land, wird vom Sozialismus zerfressen und ruiniert. Die Linken rund um den Globus schweigen dazu beharrlich. Die europäischen Staaten verteilen Gelder in historisch beispielloser Weise um und trotzdem geistert durch breite Bevölkerungsschichten dieser zerstörerische Eindruck von Ungerechtigkeit. Die Bürokratie kriegt dieses Problem offenkundig nicht in den Griff.
Nun vermutet der peruanische Literaturpreisträger Mario Vargas Llosa, ein äusserst kritischer Geist und aufmerksamer Beobachter des Zeitgeschehens, dass sich heute Sozialismus und Kapitalismus auf seltsame Weise vermengen. Ich wage mir nicht auszumalen, welch bizarres Gebräu aus einer solchen Mischung herausfliessen wird.
2018 mussten wir uns von vielen Gewissheiten, aber auch von unzähligen Illusionen verabschieden. Ein Jahr tiefer Umbrüche. Nach einer langen Zeit der Stabilität gerät plötzlich vieles ins Wanken und Rutschen. Verunsicherung macht sich breit. Egal, ob in der Politik oder in der Wirtschaft – es zeigen sich deutliche Risse im Gebälk unseres Gemeinwesens, auch weil Reformen und Veränderungen zu lange aufgeschoben wurden.
Welcher Weg führt uns da wieder hinaus in eine, für die kommenden Generationen, gesicherte Zukunft?

Willy Burgermeister, Romanshorn

 

Mein Abonnement möchte ich nicht erneuern. Ihre Zeitschrift ist mir zu christlich in dieser Zeit, da wir aufgefordert sind, die als „Weltreligionen“ bezeichneten Teilreligionen hinter uns zu lassen, und an einer emanzipierten globalen Religiosität zu arbeiten. Eine Religiosität, in die alle menschenwürdigen Traditionen hineinfliessen und die keinen Gegensatz zur Naturwissenschaft darstellt, sondern diese als Offenbarung der Schöpfungskraft versteht, kann uns helfen, uns als das Menschenvolk darüber zu verständigen, wie wir gemeinsam die Verantwortung für unseren Planeten tragen.

Walter Felix Schweiter

 

Ich bin euer Leser seit noch nicht so lang, und habe Gewinn an den Neuen Wegen – ihr seid anregend für einen Agnostiker, einen neugierig Suchenden. Und ein visuell Verwöhnter hat auch Freude am neuen Design. 

Köbi Gantenbein