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Wer langsam geht, kommt weit

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Das Buch will einen Überblick über die letzten fünfzig Jahre der offiziellen schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit (DEZA), früher DftZ genannt, präsentieren. Gleich zu Beginn sei positiv vermerkt, dass alle wichtigen Gestalten kurz mit einem eigenen Beitrag zu Wort kommen. Ein paar Beispiele: Rolf Wilhelm orientiert über die Pionierzeit (1950er/1960er Jahre); Ruth Dreifus wehrt sich gegen ein «Auseinanderdriften der Kontinente»; Jacques Forster betont «Entwicklungspolitik ist Weltpolitik»; Immita Cornaz will dennoch, dass die Menschen im Mittelpunkt stehen; Jean-François Giovannini will auf keinen Fall eine «Pflästerlipolitik»; und dennoch – der einstige Chef Marcel Heimo – muss der Schweiz den Ärmsten helfen. Serge Chappatte differenziert und meint die Basis. Der vor kurzem abgetretene Chef Walter Fust wehrt sich dagegen, dass Hilfe «instrumentalisiert» wird.

Diese überzeugenden Dokumente werden eingebettet in die Texte des Autors. An ihm wäre es gewesen, überzeugend zu zeigen, dass diese DEZA – auch wenn stark in Händen der SP – ein Abbild der Schweiz und der politischen Geschichte ist. So gehören zur DftZ mehr als die alten Helden, sondern auch das Umfeld der 3.Welt-Gruppen angeführt von Ruedi Strahm oder die Erklärung von Bern, besonders unter Anne-Marie Holenstein, weiter die privaten Hilfswerke, die eine Arbeitsgemeinschaft gründeten, zunächst kein Geld vom Bund wollten, heute jedoch eng mit DEZA zusammenarbeiten. Also entstanden stets neue Umfelder, somit stimmt der Untertitel nicht. Die Geschichte der heutigen DEZA war nicht geradlinig. Vieles, was nun als «langsam» mystifiziert wird, war auch harzig und durch die parlamentarische Politik dauernd auf Umwege gezwungen. Der Kalte Krieg wird zwar erwähnt, doch im Verhältnis der langen Dauer wird diesem Zeitgeist zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Dass diese Zusammenarbeit eine Suche nach einem neuen Verhältnis im Prozess der Entkolonisierung war, geht verloren. Letztlich doch etwas bünzlig.

Das Buch betrachtet also die DEZA etwas zu isoliert und kann sie daher zu einem Denkmal machen. Schlecht war sie dennoch nicht, aber zickzackig, zu sehr immer wieder neuen Schlagworten (gender, good governance, etc.) ausgeliefert und wegen des Parlaments im Rücken immer wieder sich «unpolitisch» gebend, obwohl man sich in den heissesten Minengeländen (Rwanda, Madagaskar, Ausklammerung der Apartheid) bewegte. Nein, weil sie trotz all den Schwächen nicht schlecht war, sollte ruhig und mutig auf diese «Neutralität» und schweizerischer Scheineiligkeit eingegangen werden.

Al Imfeld

Kategorie Buch
Titel Wer langsam geht, kommt weit
Identifikation ISBN 3-034-01041-9
Bild Wer langsam geht, kommt weit
Autor René Holenstein
Verlag Chronos
Art Broschiert (294)
Preis 0.00